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Womit Storming misst und wo die Grenzen liegen

Diese Seite richtet sich an Leserinnen und Leser mit psychometrischem Hintergrund. Sie beschreibt Instrumente, Auswertung und Regeln im Detail und am Schluss auch, was noch nicht belegt ist.

Instrumentenkatalog

SchlüsselInstrumentItemsZweckLizenz
ipip-neo-120IPIP-NEO-120120Big Five und 30 Facettengemeinfrei
ipip-50IPIP Big-Five Factor Markers50Nur die fünf Hauptdimensionen, für einen kürzeren Einstieggemeinfrei
mini-ipipMini-IPIP20Wiederholung und Vergleich mit dem früheren Profilgemeinfrei
ipip-ipcIPIP Interpersonal Circumplex32Dominanz × Wärme (in Vorbereitung, noch nicht verfügbar)gemeinfrei
climate-6Eigenes Teamklima-Instrument6Teamklima, nur aggregiertselbst entwickelt, eigenes Urheberrecht
culture-24Eigenes Kulturinstrument24×2Kulturkarte des Teamsselbst entwickelt, eigenes Urheberrecht
change-pulseEigener Kurzpuls mit einer Frage1Wo man bei einer Veränderung steht, selbst eingeschätztselbst entwickelt

Alle Instrumente im Katalog dürfen ohne Lizenzgebühr und ohne Namensnennung kommerziell eingesetzt werden. Ein Werteinstrument, das diese Bedingung nicht erfüllte, haben wir deshalb nicht aufgenommen.

Warum keine Typen

Persönlichkeitsmerkmale sind kontinuierlich verteilt, und die meisten Menschen liegen irgendwo in der Mitte. Ein Typensystem zieht an einer Stelle eine Grenze. Zwei Personen, die fast gleich antworten, landen so in verschiedenen Kategorien, sobald sie knapp auf verschiedenen Seiten dieser Grenze liegen, und aus der Kategorie wird schnell eine Erwartung an die Person.

Typen sind beliebt, weil man sich ein Etikett leichter merkt als ein Perzentil. Die Forschung stützt sie aber deutlich weniger als dimensionale Modelle wie die Big Five. Storming beschreibt deshalb, wo jemand auf jeder Dimension liegt, und ordnet niemanden einem Typ zu.

Auswertung

Antworten → Plausibilitätsprüfung → Rohwert → Normtabelle → Perzentil mit Vertrauensintervall. Die Prüfung erkennt unvollständig ausgefüllte Fragebogen und lange Reihen identischer Antworten. Schlägt sie an, wird kein Profil berechnet, und die Person füllt den Fragebogen neu aus. Die Führungskraft erfährt davon nichts.

Normen

Verglichen wird mit der gesamten Referenzstichprobe, und so steht es auch beim Perzentil: «relativ zur gesamten Referenzstichprobe». Nach Gruppen unterteilte Normen kommen nicht zum Einsatz. Nach Geschlecht getrennte Normen bieten wir grundsätzlich nicht an, weil eine Aussage wie «hoch für eine Frau» im Arbeitsverhältnis keinen legitimen Zweck hat.

Die Messfehler-Regel

Person A liegt bei Perzentil 57, mit einem Intervall von 46 bis 68. Person B liegt bei 48, Intervall 37 bis 59. Die beiden Werte liegen neun Punkte auseinander, die Intervalle überschneiden sich aber um dreizehn Punkte. Einen belegbaren Unterschied gibt es damit nicht, und Storming zeigt auch keinen an.

Die Regel ist in der Berechnung selbst umgesetzt und nicht erst in der Anzeige. Sie gilt deshalb für jede Ansicht und auch für die Paarregeln.

Die acht Startregeln

Die Tabelle wird aus denselben Dateien erzeugt, die die Anwendung auswertet. Jede Regel ist versioniert und unter /rules/ vollständig abrufbar, mit ihrer Begründung auf Deutsch und Englisch.

RegelBedingungWas man sehen würdeVorgeschlagene Vereinbarung
agreeableness-gap
v1.0.0
|Δ A| ≥ 25 Pkt., Bereiche überlappen nicht Direktheit wirkt in die eine Richtung wie ein Angriff, Zurückhaltung in die andere wie Ausweichen — keine der Lesarten ist gemeint. Eine ausdrücklich vereinbarte «Ich sehe das anders»-Formulierung gilt als sicher. Nichts wird zwischen den Zeilen gelesen.
both-high-assertive
v1.0.0
E3 beide ≥ p70 Person A und Person B konkurrieren um Redezeit; Entscheide werden nach der Sitzung wieder aufgemacht — von der Person, die als zweite gesprochen hat. Abwechselnd die Agenda führen. Jeder Entscheid wird schriftlich festgehalten und gehört einer namentlich genannten Person.
both-low-assertive
v1.0.0
E3 beide ≤ p30 Entscheide bleiben liegen, weil weder Person A noch Person B den Entscheid für sich beansprucht — beide warten höflich. Pro Thema vorab eine entscheidende Person benennen — notfalls willkürlich. Willkürlich entschieden ist besser als unentschieden.
conflict-norm-clash
v1.0.0
|Δ Kultur open_conflict| ≥ 30 Beide halten die eigene Konfliktnorm für die Teamnorm: Person A und Person B erleben denselben Schlagabtausch als normal bzw. als Grenzverletzung. Beide Lesarten in der Team-Retro zeigen — die Klärung gehört ins Team, nicht ins Paar.
openness-gap
v1.0.0
|Δ O4| ≥ 25 Pkt., Bereiche überlappen nicht «Bleiben wir beim Bewährten» kommt als Blockade an, «Probieren wir es aus» als Leichtsinn — beide meinen es als Sorgfalt. Die «Ob»-Frage von der «Wie»-Frage trennen: zuerst gemeinsam entscheiden, ob — dann getrennt planen, wie.
orderliness-gap
v1.1.0
|Δ C2| ≥ 25 Pkt., Bereiche überlappen nicht Was für die eine Person erledigt ist, ist für die andere noch offen — beide haben schon Arbeit wiederholt, die die andere für fertig hielt. Vor Beginn schriftlich festhalten, was «fertig» je Artefakt heisst — Ticket, Migration, Runbook.
pace-clash
v1.0.0
|Δ Kultur decision_speed| ≥ 30 Eine Person liefert, um zu lernen; die andere will zuerst die Analyse — jede erlebt die andere als leichtsinnig oder als langsam. Analyse ausdrücklich befristen und den Umkehrbarkeits-Test vereinbaren: Was wäre schwer rückgängig zu machen? Nur dort braucht es die Analyse zuerst.
withdrawal-asymmetry
v1.0.0
A N4 ≥ p70, B A ≤ p30 Direktheit von Person B kommt bei Person A deutlich härter an als gemeint; Person A spricht Dinge seltener direkt an. Person B nennt die Absicht, bevor Kritik kommt. Person A bekommt 24 Stunden, um schriftlich zu antworten, statt sofort reagieren zu müssen.

Weitere Regeln kommen dazu, wenn sie begründet und geprüft sind. Die Begründung steht jeweils in der Datei selbst.

Grenzen

Was noch nicht belegt ist oder noch geprüft werden muss: